Crass: The Sound of Free Speech (The Story of Reality Asylum)

Regie
Brandon Spivey
Laufzeit
95 min.
Jahr
2022

Als Punk das Anarchie-A noch ernst gemeint hat: »Crass« gehören quasi zur britischen Punk-Ursuppe, 1977 in Essex gegründet, nicht nur als Band, sondern als Kunstkollektiv. Als sie 1978 ihr erstes Album herausbringen wollen, weigert sich das Presswerk, den darauf ursprünglich enthaltenen Song »Reality Asylum« auf die Platte zu pressen. Man findet den Text zu blasphemisch. Also bleibt der Track stumm und erhält konsequenterweise den Titel »The Sound of Free Speech«. Regisseur Brandon Spivey nimmt diese Episode zum Ausgangspunkt für einen Abriss über die Band-Geschichte, die untrennbar verknüpft ist mit linksextremem Politik- und Kunstverständnis ihrer Zeit, als der Neoliberalismus die zumindest etwas softeren Sozialvereinbarungen der Nachkriegszeit aufgekündigt und damit die Weltwirtschaftsordnung gekippt hat. Was das bedeutet hat, seinerzeit und in dieser Gegend, also in den 70er und 80er Jahren in Großbritannien, und wie sich durch Punk eine anarchistische Bewegung im Widerstand dazu neu erfunden hat, davon erzählt der Film von Spivey, der selbst nicht nur Regisseur und Musiker, sondern auch überzeugter Polit-Aktivist ist, und der darum weiß, wie gut so ein Rückblick, so eine Bilanz zur ratlosen Gegenwart passt.

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