Pamela Jahn: Herr Goiginger, wären Sie selbst ein guter Clown?
Ich habe es noch nie probiert. Aber nachdem ich mich auf Bühnen oder vor Publikum grundsätzlich nicht so wohlfühle, wahrscheinlich eher nicht.
Was macht für Sie einen guten Clown aus?
Ich bin kein Experte, kann die Frage also nur sehr subjektiv beantworten. Extrem wichtig finde ich, dass ein Clown sich niemals auf die Kosten anderer lustig macht, sondern sein eigenes Scheitern zelebriert und seine Schwächen in den Vordergrund rückt. Beides, sowohl die Tragik als auch der Humor, gewinnt natürlich durch diese Dualität, dass Freude und Leid, Licht und Schatten ganz nah beieinanderliegen. Es macht nicht nur das Leben aus, sondern vor allem auch Filme oft spannend und interessant. Wobei das Tragische schon eher der Bereich ist, wo ich meine Stärken als Regisseur sehe, als in der Komödie. Aber es ist natürlich gerade bei diesem Film reizvoll gewesen, die zwei Elemente miteinander zu verbinden.
Sie haben an anderer Stelle gesagt, dass Sie das Schicksal von Barbara Pachl-Eberhart, die bei einem Unfall ihren Mann und ihre beiden Kinder verlor, zuerst emotional überforderte. Was hat Sie überzeugt, den Film doch drehen zu wollen?
Es war zum einen die berührende Liebesgeschichte zwischen Heli und Barbara, die Idee, dass zwei Berufsclowns heiraten und eine Clown-Familie gründen. Ich hatte noch nichts in der Richtung inszeniert, deswegen hat es mich gereizt. Auch die Entscheidung, das Unglück nicht zu zeigen, und den Fokus eher auf das Leben nach dem Tod zu legen, war entscheidend. Durch das Drehbuch von Senad Halilbašić wurde es ein Film über Hoffnung, über das Leben! Auch das Treffen mit Barbara war ein Grund, warum ich dann doch zugesagt habe.
Was unterscheidet Heli und Barbara in der Art und Weise, wie sie aufs Leben schauen?
Es gibt eine Szene im Film, in der ein ziemlicher heftiger Streit zwischen ihnen eskaliert, weil Barbara sehr geordnet ist, bodenständig und eine Macherin. Heli dagegen ist eher verträumt, künstlerisch und philosophisch; jemand, der wirklich nur im Moment lebt. Einerseits ergänzen sie sich dadurch perfekt, aber sie kollidieren eben auch miteinander, wenn es um Kindererziehung und die materielle Sicherheit geht.
Barbara muss sich nach dem Schicksalsschlag komplett neu erfinden und legt erstmal einen gewissen Pragmatismus an den Tag. Würden Sie in ihrer Situation ähnlich handeln?
Es fällt mir schwer, mich in die Situation hineinzufühlen. Ich glaube, fast niemand kann es sich vorstellen, auf einen Schlag seine ganze Familie zu verlieren. Ich würde vielleicht erstmal für ein paar Wochen oder Monate allein in die Berge gehen. Obwohl dann die Gefahr bestünde, dass man zum Alkoholiker wird oder Selbstmordgedanken aufkommen. Mein christlicher Glaube würde mir hoffentlich sehr helfen! Bei der echten Barbara war es auch so, dass sie gute Mächte und Energien gespürt hat, die ihr geholfen haben, mit diesem schweren Schicksalsschlag umzugehen.


