Pamela Jahn: Die Landschaften in Ihren Filmen sind gleichbedeutend mit Ihren Figuren. Wie stellen Sie über die Kamera eine Verbindung zu den Orten her?
Hlynur Pálmason: Ich kenne die Schauplätze, an denen ich drehe, sehr gut. Ich kehre regelmäßig dorthin zurück, manchmal sogar mehrmals, jeweils zu den verschiedenen Jahreszeiten. Wenn ich diese Landschaften dann durch ein Objektiv betrachte, scheint es mir oft, als würden sie auf seltsame Weise zur Ruhe kommen, weil ich mich in dem Moment nur auf das konzentriert, was man im Bildausschnitt sieht. Diesmal war es allerdings so, dass dieser Prozess für mich bereits beim Schreiben begann. Ich schrieb auf, was ich in meiner unmittelbaren Umgebung sah und hörte. Ich wollte nichts erzwingen oder eine fremde Geschichte konstruieren, stattdessen habe ich einfach Eindrücke und Erlebnisses eingefangen. So ist der Film gewissenmaßen aus sich selbst heraus entstanden.
Im Vergleich zu WINTER BROTHERS oder GODLAND hat THE LOVE THAT REMAINS einen viel leichteren Ton. Woran liegt das?
Man hat immer eine Vorstellung vom Temperament oder der Energie des Films, wenn man ein neues Projekt beginnt. Einige meiner früheren Werke waren düsterer, das stimmt, und dieser hier fühlte sich von Anfang an warm und verspielt an. Aber das war keine bewusste Entscheidung. Mir ist es lieber, etwas zu schaffen, ohne dabei ständig Entscheidungen treffen zu müssen. Wenn ich einfach der Kraft folge, die vom Film ausgeht, und ich mich dem hingebe, was er von mir verlangt.
Haben Sie das Gefühl, mit dem Jahren sensibler zu werden?
Es hat sich viel verändert in der Zeit meinen Anfängen als Regisseur bis heute. Als ich WINTER BROTHERS drehte, war ich sehr verzweifelt. Ich hatte drei Kinder und kein Geld, es war nicht einfach. Wir mussten uns durchkämpfen. Ich kannte auch die Leute nicht, mit denen ich Filme machte. Es war alles eher beängstigend und ein bisschen Rock ’n’ Roll. Aber in den letzten Jahren habe ich mich darauf konzentriert, ein gutes Filmset zu schaffen, einen sicheren Ort, der es mir ermöglicht, kreativ zu sein und gleichzeitig Spaß zu haben. Das ist mir immer wichtiger geworden, und ich denke, es diese Stimmung überträgt sich auch auf dem Film.
Sie zeigen eine Familie im Scheidungsprozess über den Verlauf eines Jahres. Inwiefern war diese zeitliche Rahmung wichtig?
Es half mir und meinem Schnittmeister, eine Struktur zu haben. Die vier Jahreszeiten bilden den linearen roten Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Wir wussten, wo der Film beginnen würde, und wo er endete. Um dieses Gerüst herum haben wir die Handlung aufgebaut. Manchmal, wenn man viel fragmentiertes Material hat, ist es am Anfang schwer, eine Form zu finden, die der Geschichte dient.
Was ist Ihre Lieblingsjahreszeit?
Ich bin in der Hinsicht flexibler als andere. Mich fasziniert der Lauf der Natur, und dass die Jahreszeiten alle unterschiedlich sind. Wenn es immer Sommer wäre, würde ich den Schnee vermissen. In ewiger Kälte würde ich vom wärmenden Sonnenlicht träumen. Ich mag die Balance, und die Unberechenbarkeit des Wetters, das Temperament. Nur wenn es manchmal zwei Wochen lang ununterbrochen stürmt und buchstäblich völlig durch den Wind bin, kann das natürlich auch irritierend sein, und ich ärgere mich darüber.



