
Blue Jean
- Regie
- Georgia Oakley
- Cast
- Rosy McEwen, Kerrie Hayes, Lucy Halliday, Lydia Page
- Laufzeit
- 97 min.
- Jahr
- 2022
- Sprache
- Englisch
- Altersfreigabe
- FSK 16
‘McEwen geht voll in ihrem Charakter auf.’
1988 in Newcastle, Nordengland: Jean (Rosy McEwen) ist eine lesbische Sportlehrerin, die sich größte Mühe gibt, möglichst unbeschadet in einer extrem heteronormativen Gesellschaft zu überleben. Ihre Familie weiß „es“, auf der Arbeit ist sie nicht geoutet. Wie auch? Mit der Gesetzeserweiterung „Section 28“ verbot Margaret Thatcher Behörden (u.a. Schulen) die „Förderung von Homosexualität“. Lehrer*innen, speziell des Faches Sport, stehen unter besonderer Beobachtung. Als Jeans Schülerin Lois (Lucy Halliday) eines Tages im lokalen LGBTQ+-Club auftaucht, wird Jeans sorgsam gehegtes Doppelleben auf eine harte Probe gestellt.
Basierend auf den Tagebüchern der Sportlehrerin und heutigen Professorin Catherine Lee erkundet Drehbuchautorin und Regisseurin Georgia Oakley in BLUE JEAN, was es für eine Betroffene bedeuten kann, in so einer Welt zu existieren. Mit einem guten Auge für Rahmungen, Spiegelungen und Farben setzt Oakley alltägliche Situationen unter Hochspannung. McEwen geht voll in ihrem Charakter auf und liefert eine intensive Performance. Auch ihre (ausschließlich weiblichen) Co-Stars überzeugen. Jeans Freundin Viv (Kerrie Hayes), eine butch Lesbe mit Tattoos und Lederjacke, ist Jeans Anker in die queere Szene; sie fällt auf und fordert heraus. Bei aller Liebe fällt es beiden oft schwer, Verständnis füreinander aufzubringen. Wie viel Verständnis der Film für Jean hat, wenn sie wiederholt daran scheitert, das Richtige zu tun, ist nicht immer klar – dafür, dass sie ein Opfer brutalster staatlicher Gewalt ist und sich dieser eben nicht mit Mut und Willensstärke entziehen kann. BLUE JEAN begegnet seiner Antiheldin mit einer gewissen Zerrissenheit, vielleicht ganz ähnlich der Zerrissenheit einer LGBTQ+-Community, deren Mitglieder unter ständiger Bedrohung stehen und ihr Möglichstes geben, um füreinander da zu sein. (Eva Szulkowski)


