
Retro - An Undiscovered World + Running High + Carrying Dreams: The Weight Between Us
Retro - An Undiscovered World (13')
(Sprache: Englisch; Untertitel: keine; 2025; Regie: Brian P. Hall, Jess James)
Rückwärts den Kilimandscharo besteigen? Typisch britisch und sehr charmant.
Eine kleine Gruppe von Menschen auf dieser Welt findet normales Gehen viel zu normal. Sie brechen lieber aus ihrer Komfortzone aus, stellen ihre Perspektive und Koordination neu ein und gehen rückwärts. Es ist unklar, wie viele es sind und wie ansteckend dieser Wahnsinn ist, aber sicher ist, dass sich einige bereits vor fünfzig Jahren in der edlen Kunst des 24-stündigen ununterbrochenen Rückwärtsgehens geübt haben.
Brian Philip Hall entdeckte diese Art der Fortbewegung erst vor kurzem für sich und fand heraus, dass es Menschen gibt, die den Kilimandscharo sogar rückwärts erklimmen. Der erfahrene Bergsteiger, Gründer des Kendal-Bergfilmfestivals, Autor und Location-Manager für diverse Hollywood-Filme dachte sich: "Hmm, da steckt ein Film drin". Und damit hat er recht. „Retro – An Undiscovered World“ erkundet diese Welt auf unterhaltsame und erstaunliche Weise, taucht in die Archive ein und trifft eine ganze Reihe von Rückwärtsläufern. Dabei entwickelt sich diese kurze Dokumentation zu einer liebevollen Reflexion über Neugier, Abenteuerlust und die besondere Faszination des Ungewöhnlichen.
Filmkritik von Benti Banach
Running High (15')
(Sprache: Englisch; Untertitel: Englisch; 2025; Regie: Will Brock)
Mitreißender Trailrunning-Film über Ausdauer und Teamgeist in den Pyrenäen.
Wie weit kann ein Mensch laufen, bevor Körper und Geist an ihre Grenzen stoßen? Diese Frage steht im Mittelpunkt von Running High, in dem die niederländische Ultraläuferin Noor van der Veen bei ihrem Versuch begleitet wird, die Haute Randonnée Pyrénéenne (HRP) schneller als je zuvor zu bewältigen. Die Strecke verläuft entlang des höchstgelegenen Wanderwegs durch die Pyrenäen und verlangt der Athletin alles ab.
Regisseur Will Brock kommt aus der britischen Abenteuerfilmwelt und verbindet eine dynamische Bildsprache mit einem Gespür für persönliche Geschichten.
Sein Film zeigt nicht nur die enorme körperliche Leistung einer außergewöhnlichen Sportlerin, sondern auch die Bedeutung des Teams hinter einem Rekordversuch. Besonders beeindruckend sind die Aufnahmen der wilden Landschaften der Pyrenäen, die sowohl Kulisse als auch Herausforderung darstellen.
Running High bietet einen spannenden Einblick in die wachsende Welt des (Ultra-)Trailrunnings und die Faszination, große Gebirgsketten aus eigener Kraft zu durchqueren.
Filmkritik vom DMFF (Dutch Mountain Film Festival)
Carrying Dreams: The Weight Between Us (43')
(Sprache: Niederländisch; Untertitel: Englisch; 2026; Regie: Quinten van Vliet, Jordy Tjon, Yorick van Beek)
Berührende Geschichte über Freundschaft, Verantwortung und gelebte Inklusion am Berg.
Eine niederländische Expedition bricht zum Kilimandscharo auf – nicht, um ihr Abenteuer so gut und spannend wie möglich zu dokumentieren, sondern um den Trägern, die ihnen stets zur Seite stehen, ihre Anerkennung zu zollen.
Die Hauptfigur des Films ist der Tansanier Jacob. Jeder Schritt, den er macht, jedes Kilo, das er trägt: Er tut es, um seine Frau zu versorgen und seine drei Kinder zur Schule schicken zu können. Eine niederländische Teilnehmerin erzählt, wie unangenehm sich die Ungleichheit zwischen ihr und den Trägern anfühlt. Doch im Laufe einer Woche wachsen sie alle zusammen, nicht zuletzt, weil die Flachländer beschlossen haben, ebenfalls 25 Kilo pro Person zu tragen. Dankbar sagt Jacob, dass sie zum ersten Mal von Bergsteiger:innen und Tourist:innen als Menschen, als Gleichgestellte behandelt wurden.
Das ist keine einzigartige Geschichte; im Everest-Gebiet hat dies zu ähnlichen Projekten geführt. Man denke an den Film „The Porter“ von Nathan Menninger, der 2021 beim DMFF zu Gast war. Gut, dass die afrikanischen Träger nun auch die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. Die Regisseure Quinten van Vliet, Yorick van Beek und Jordy Tjon nahmen an der Expedition teil. Es ist ihr erster Bergfilm.
Filmkritik von Benti Banach


